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Von Fallmanagern, Arbeitsvermittlern und dem Märchen vom mündigen Bürger von Dipl.-Ing. truthandlifebible.info (FH) Bernd Obergassel (Der als Rohentwurf eines autobiographischen Werkes anzusehende Text, beschreibt ausschließlich eigene Erfahrungen während meiner Zeit als ALG-II-Bezieher und wird immer noch regelmäßig zurechtgefeilt und ergänzt.). Der Briefkasten von war ein mit weißer Ölfarbe angestrichener Holzkasten, der unten geöffnet wurde. Auf der Vorderseite waren auf Papier gedruckte.

Muttermilch in Intensivzentren oft knapp

In der Malerei gibt es das Phthal-blau, eine Ölfarbe, die bereits durch entferntes Inhalieren zu Übelkeit, Kopfweh und Schwindel führen kann.

Ein ganz nettes Kapitel sind die Formaldehyde — man erinnere sich an den Ikea-Skandal. Besonders knifflig sind dabei die Urea-Zusammensetzungen, zum Beispiel: Farbstoffe sind nicht nur in Schminke oder Haarcolorationen, sondern fast in jedem Produkt vorhanden, das nicht durchsichtig, graubraun oder sonst einen eigenartigen Ton aufweist.

Jedes Duschgel, Creme, Parfum, etc. Diese abgekürzten Stoffe sind hochgiftig; nicht umsonst sind Friseusen die weibliche Berufsgruppe, in der die höchste Anzahl an Krebstoten auftritt, da sie beim Haarefärben die toxischen Dämpfe direkt einatmen.

Spricht man von Farbstoffen, muss man auch das Gegenteil berücksichtigen, nämlich Bleichmittel. Sie werden leider nicht nur für die Erzeugung von Platinblonden herangezogen, sondern funktionieren auch als optische Falle in Zahnpasten oder normalen Gesichtscremes.

Sie sollen sie den Eindruck sauberer Zähne vermitteln, obwohl sie auf Dauer das Dentin angreifen; in Cremes täuschen sie eine jüngere Haut vor, denn hellere, gebleichte Haut wirkt viel frischer und gibt die Faltentiefe mit weniger Schattenkontrast wieder.

Ein Kapitel für sich sind die Sonnenschutzmittel. Ursprünglich wurden mineralische, optische, also abdeckende Filter herangezogen, wie Zincoxid oder Titaniumdioxid. Diese sind jedoch erstens teuer und zweitens ist ihre pastose, eingedickte Konsistenz dem Konsumenten nicht so angenehm wie die seidigweichen und durchsichtigen Konkurrenzstoffe, die jedoch allesamt schädlich sind, wie oxybenzone, benzophenone, bzw.

Methoxydibenzoylmethane, o Dibenzoylmethane — man erinnere sich an die Silbe benzoyl. Sie sind hochgradig krebserregend und die Hauptursache für Kettenallergien. Leider sind sie nicht nur in Solarprodukten enthalten, sondern allgemein in allen möglichen Cremes, sogar in den teuersten Artikeln.

Es ist nämlich so, dass generell viele chemische Substanzen die Haut entzünden kommt oft bei Retinol- Präparaten vor , was bei Sonnenlicht unschöne Flecken hervorrufen kann. Besonders gefährlich sind die chemischen Duftstoffe. Ich habe bemerkt, dass zum Beispiel Deos für Frauen viel gefährlichere Inhaltsstoffe aufweisen, als die für Männer, obwohl man doch meinen könnte, Männer schwitzen mehr, weil sie sportlicher sind, und benötigen dann auch stärkere bzw.

Weit gefehlt — ich benütze ein Männer-Deo! Untersuchungen von Muttermilch haben ergeben, dass sie bereits diese giftigen Stoffe enthält, die in Weichspülern, Deos, Parfums, Duschgels, etc. Nicht genug damit, finden sich darunter auch Zellgifte, fruchtschädigende Stoffe und sogar solche die die Erbsubstanz angreifen und DNS-Sequenzen zerstören. Fest steht jedenfalls, dass chemische Duftstoffe reliefartige Muttermale, Warzen und karzinogene Gewächse fördern. Wenn man eine bestimmte Deo-Sorte dann absetzt bzw.

Substanzen mit Aluminium wirken zwar selten als Duftstoffe, sind aber in der Mehrzahl der Deos, Eau de Toilets und anderen Sprühartikeln vorhanden, weil sie als effektivstes Antitranspirans wirken. Sie irritieren auf Dauer die Haut, trocknen sie aus und können Granulome erzeugen. Soweit die am häufigsten vertretenen Substanzen, die man, ohne ein Chemiker zu sein, einfach identifizieren kann, indem man sich ein paar Silben merkt.

In über 95 Prozent aller Kosmetika findet man reine alkoholische Stoffe. Diese Stoffe trocknen jedoch die Struktur des Haares oder der Haut extrem aus und fördern den Alterungsprozess.

Um ein Austrocknen zu verhindern, cremt man immer mehr und schadet seiner Haut auch immer mehr. Diese Stoffe sind leicht brennbar. In einigen Kosmetika, wie zum Beispiel NuSkin befindet sich Cetylalkohol, der ein langkettiger, einwertiger Alkohol ist.

Er ist im Gegensatz zu den kurzkettigen Alkoholen aufgrund der fehlenden Polarität in Wasser nicht mehr löslich. Cetylalkohol findet Anwendung als umweltfreundlicher und hautfreundlicher Emulgator, der die Feuchtigkeit der Haut bewahrt und nicht raubt.

Kosmetika mit hohem Anspruch benutzen alle diese Form von Alkohol, die förderlich und nicht schädlich ist. Cetylalkohol wirkt antimikrobiell, wirkt desodorierend und reinigt. Es gibt in der Zusatzstoffindustrie um die Wie in der Medizin gibt es offizielle Richtlinien, wie lange eine Substanz getestet werden muss, um für den Konsum freigegeben zu werden.

Doch die globalisierten riesigen Chemiekonzerne, welche die Erzeuger beliefern, übergehen solche Normen mit links. Tatsächlich werden die Fabriken — egal ob es sich dabei um Familienbetriebe oder Multinationale handelt — von vornherein mit bestimmten Grundstoffen beliefert, die sie dann mit ihren eigenen Rohstoffen vermischen.

Diese werden dann mit den eigenen Hauserzeugnissen gemischt, sofern der Hauschemiker das nicht überwacht und verhindert. Vor so was ist leider keine Marke gefeit, auch nicht die kontrollierteste Naturkosmetik. Sie bezeichnet einen Stoff dann als krebserregend, wenn er vermehrte Zellteilung hervorruft.

Auch sie ist Künstlerin. Till stammte aus Chicago und war gerade auf Verwandtenbesuch. In Wirklichkeit log Carolyn Bryant, als sie Till bezichtigte, sie belästigt und bedroht zu haben. Dass sie diese Unwahrheit erst zugab, in einem Interview, das erst dieses Jahr veröffentlicht wurde, mindert weder den Mord noch die Tatsache, dass Bryant und Milam seinerzeit freigesprochen wurden.

Der Mord an Emmett Till machte deutlich, dass die Gewalt, Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung der Sklaverei im segregierten Amerika der Fünfzigerjahre noch sehr lebendig waren. Und damit diese Wahrheit nicht ignoriert oder in Vergessenheit geraten konnte, bestand Mamie Till Mobley, Tills Mutter, darauf, Fotografien zu veröffentlichen und zu verbreiten, die das entsetzlich entstellte Gesicht ihres Sohnes in jenem offenen Sarg zeigten, den sie für seine Beerdigung ausgewählt hatte.

Die Bilder sind erschütternd. Die Brutalität, die sie dokumentieren, befeuerte die Bürgerrechtsbewegung der Sechziger. Heute sind sie leicht im Internet zu finden und Teil einer Vergangenheit, die noch immer sehr gegenwärtig ist.

In seinem Essay "Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit" schrieb Theodor W. Adorno ging es um die Frage, wie man der Gewalt, die geschehen ist, entkommen kann, ohne die eigene Schuld zu verleugnen.

In der Tat ist es nicht immer leicht, zwischen einer heilenden und einer die ursprüngliche Verletzung wiederholenden Geste zu unterscheiden. Die offene Debatte, die Adorno anmahnte - und die sich mit einiger Verzögerung in Deutschland entfachte - ist sicherlich ein erster Schritt.

Und sie kann ohne Konflikte nicht ausgetragen werden. Aber müssen einem solchen Dialog und der kulturellen Produktion, die ihm entspringt, Grenzen gezogen werden? Kann eine künstlerische Schöpfung sich als destruktiv erweisen - und kann ein Akt der Zerstörung je produktiv sein? Noch immer existieren im öffentlichen Raum mehr als 1.

Nicht erst nachdem am August in Charlottesville, Virginia, Heather Heyer bei einer Gegendemo zu einer rechtsextremen Demonstration getötet wurde, gibt es Rufe danach, diese Symbole abzubauen.

Doch ist die Gewalt, die an solchen Standbildern haftet, nur für die Kunst der Vergangenheit ein Problem? Oder kann auch ein Werk aus der Gegenwart die amerikanische Geschichte der Unterdrückung fortführen? Es ist eines von mehreren Werken, mit denen die Künstlerin Dana Schutz auf der diesjährigen Whitney-Biennale vertreten war, eine Art Schnappschuss amerikanischer Gegenwartskunst.

Tills Gesicht ist nicht als menschliches Antlitz zu erkennen. Schutz hat es aus dicken Schichten von Ölfarbe geformt, sein Mund wie mit einem Hieb hineingehauen, so als habe Schutz die Gewalt, die gegen Till verübt wurde, auf das Material ihrer Kunst übertragen. Zitat, "der dringenden Empfehlung, das Bild zu zerstören und es weder auf den Kunstmarkt noch in ein Museum gelangen zu lassen. Das Thema gehört Schutz nicht. Parker Bright und Hannah Black sind nicht die einzigen Kritiker von Open Casket, neben diesen beiden jungen schwarzen Künstlern fand der offene Brief fast 50 weitere Unterzeichner.

Manche Stimmen in den Medien befürworten den Protest ebenfalls. Kritiker des Bildes halten Schutz' Darstellung von Till für einen Akt kultureller Aneignung sowie eine Wiederholung und Ästhetisierung der Gewalt, die ihm angetan wurde. Einige Kunstmagazine und Zeitungen haben die Debatte weiter angefacht. Manche wiederholen und stärken Blacks Argumente aus der Perspektive sozialer Gerechtigkeit, andere lehnen sie als Beschneidung der Redefreiheit ab oder verteidigen das Bild von Dana Schutz aus ästhetischen Gründen.

Dass diese sehr amerikanische Debatte auch in Deutschland kommentiert wurde, ist nicht überraschend: Blacks Refrain, "Das Bild muss weg", erscheint vielen wie ein Aufruf, eine Stimme zum Schweigen zu bringen, die sich einer dunklen Vergangenheit stellen will. Zensur ist für Liberale ein Tabu. Es kommt vielleicht darauf an, wer spricht. Ich verstehe nicht alle Einwände, die gegen Schutz' Bild vorgebracht worden sind.

Sie glauben, dass die Einschränkung dessen, was einer Künstlerin darzustellen "erlaubt" sein sollte, eine gefährliche Beschneidung ihrer Meinungsfreiheit bedeute. Allerdings ist es eines von Blacks zentralen Argumenten, dass schwarze Amerikaner immer schon solchen Beschränkungen ausgesetzt waren, seien sie nun rechtlich oder sozial durchgesetzt.

Daher hält Black es für falsch, so zu tun als existierten diese Beschränkungen nicht. Und tatsächlich wird die Spielart der in den Vereinigten Staaten herrschenden Meinungsfreiheit in Deutschland oft für gefährlich gehalten. Der Staat setzt ihr gewisse Grenzen, um die Schutzbedürftigen vor jenen zu bewahren, die über die Macht zu ihrer Ausgrenzung verfügen. In Deutschland sind die Symbole des Nationalsozialismus verboten.

Und die rechtsextreme Demonstration in Charlottesville, bei der auch Hakenkreuzfahnen geschwungen wurden, konnte ebenfalls dank der ACLU durchgeführt werden. Dass Juden in Deutschland heute besondere Berücksichtigung erfahren und etwa ihre Synagogen beschützt werden, ist bereits eine Form von Identitätspolitik - einer auf Interessen und Perspektiven sozialer Gruppen beruhenden politischen Positionierung -, auch, wenn das hierzulande oft für spezifisch amerikanisch gehalten wird.

Beginnen wir erst einmal uns zurechtzufinden, so ist die Landschaft mit einem Schlage verschwunden wie die Fassade eines Hauses wenn wir es betreten.

Noch hat diese kein Übergewicht durch die stete, zur Gewohnheit gewordene Durchforschung erhalten. Haben wir einmal begonnen, im Ort uns zurechtzufinden, so kann jenes früheste Bild sich nie wieder herstellen. Die blaue Ferne, die da keiner Nähe weicht und wiederum beim Näherkommen nicht zergeht, die nicht breitspurig und langatmig beim Herantreten daliegt, sondern nur verschlossener und drohender einem sich aufbaut, ist die gemalte Ferne der Kulisse.

Das gibt den Bühnenbildern ihren unvergleichlichen Charakter. Ich stand an einer Stelle zehn Minuten und wartete auf einen Omnibus. Ich sah vor mir, wie leer es in den Winkeln aussah. Es trinken fast alle nur verwöhntes Tierwasser. Nichts trostloser als seine Adepten, nichts gottverlassener als seine Gegner. Kein Name, der geziemender durch Schweigen geehrt würde. In einer uralten Rüstung, ingrimmig grinsend, ein chinesisches Idol, in beiden Händen die gezückten Schwerter schwingend, tanzt er den Kriegstanz vor dem Grabgewölbe der deutschen Sprache.

In Tag- und Nachtwachen harrt er aus. Kein Posten ist je treuer gehalten worden und keiner je war verlorener. Was hilfloser als seine Konversion? Was ohnmächtiger als seine Humanität? Was hoffnungsloser als sein Kampf mit der Presse? So hilflos wie nur Geisterstimmen sich hören lassen, sagt das Raunen aus einer chthonischen Tiefe der Sprache ihm wahr.

Jedweder Laut ist unvergleichlich echt, aber sie alle lassen ratlos wie Geisterrede. Blind wie die Manen ruft die Sprache ihn zur Rache auf, borniert wie Geister, die nur die Blutstimme kennen, denen gleich ist, was sie im Reiche der Lebenden anstiften. Aber er kann nicht irren. Unfehlbar sind ihre Mandate. Wer ihm in den Arm läuft, ist schon gerichtet: Auf einem archaischen Felde der Ehre, einer riesigen Walstatt blutiger Arbeit rast er vor einem verlassenen Grabmonument.

Die Vorstellung vom Klassenkampf kann irreführen. Es handelt sich in ihm nicht um eine Kraftprobe, in der die Frage: Denn mag die Bourgeoisie im Kampfe siegen oder unterliegen, sie bleibt zum Untergange durch die inneren Widersprüche, die ihr im Laufe der Entwicklung tödlich werden, verurteilt. Die Frage ist nur, ob sie an sich selber oder durch das Proletariat zugrunde geht. Bestand oder das Ende einer dreitausendjährigen Kulturentwicklung werden durch die Antwort darauf entschieden.

Nur in Terminen rechnet der wahre Politiker. Und ist die Abschaffung der Bourgeoisie nicht bis zu einem fast berechenbaren Augenblick der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung vollzogen Inflation und Gaskrieg signalisieren ihn , so ist alles verloren.

Eingriff, Gefahr und Tempo des Politikers sind technisch — nicht ritterlich. Die sacht ansteigende geschweifte Barocktreppe zur Kirche. Das Gitter hinter der Kirche.

Die Litaneien der alten Frauen beim Ave Maria: Einschulung in die erste Sterbeklasse. Wenn man sich umwendet, grenzt dann die Kirche wie Gott selber ans Meer. Allmorgendlich bricht die christliche Ära den Fels an, aber zwischen den Mauern darunter zerfällt immer wieder die Nacht in die vier alten römischen Viertel.

Auf dem Marktplatz ein Brunnen. Am Spätnachmittag Weiber herum. Vor diesem Hintergrund wird sie zur Bühne, auf der die absolute Monarchie als allegorisches Ballett tragiert ward. Ruinen, deren Trümmer gegen den Himmel ragen, erscheinen bisweilen doppelt schön an klaren Tagen, wenn der Blick in ihren Fenstern oder zu Häupten den vorüberziehenden Wolken begegnet.

Die Zerstörung bekräftigt durch das vergängliche Schauspiel, das sie am Himmel eröffnet, die Ewigkeit dieser Trümmer. Eine Architektur, die dem ersten Zuge der Phantasie folgt. Sie ist durch praktische Bedenken ungebrochen. Nur Träume und Feste, deren Erfüllung, sind in den hohen Gemächern vorgesehen.

Darinnen werden Tanz und Schweigen Leitmotiv, weil alle menschliche Bewegung vom stillen Getümmel des Ornamentes eingesogen wird. Auf dem menschenleersten, sonnigsten Platz steht die Kathedrale.

Als Umschlagplatz für ungreifbare, undurchschaubare Ware steht da das öde Bauwerk zwischen Mole und Speicher. An vierzig Jahre hat man darangesetzt. Doch als dann alles fertig war, da hatten Ort und Zeit an diesem Monument sich gegen Architekten und Bauherrn siegreich verschworen und aus den reichen Mitteln des Klerus war ein Riesenbahnhof entstanden, der niemals dem Verkehr konnte übergeben werden.

Klasse doch vor Gott sind sie alle gleich , eingeklemmt wie zwischen Koffer in ihre geistige Habe, sitzen und in Gesangbüchern lesen, die mit ihren Konkordanzen und Korrespondenzen den internationalen Kursbüchern sehr ähnlich sehen.

Das ist der Religionsbahnhof zu Marseille. Schlafwagenzüge in die Ewigkeit werden zur Messezeit hier abgefertigt. Mit dem eigensten Heimatgefühl einer Stadt verbindet sich für ihren Bewohner — ja vielleicht noch für den verweilenden Reisenden in der Erinnerung der Ton und der Abstand, mit dem der Schlag ihrer Turmuhren anhebt.

Ihr Schmerzensausdruck vor einem Christus, dessen Kindsein nur angedeutet, nur vertreten bleibt, ist intensiver, als sie je mit einem lebenswahren Knabenbilde ihn zur Schau tragen könnte. Sie sitzt und hilflos erhebt sie die Arme nach einer Frucht, die ihr unerreichbar bleibt. Dennoch ist sie geflügelt. Im Traume trat ich aus einem Hause und erblickte den Nachthimmel. Ein wildes Glänzen ging von ihm aus. Denn, ausgestirnt wie er war, standen die Bilder, nach denen man Sterne zusammenfügt, in sinnlicher Gegenwart da.

Ein Löwe, eine Jungfrau, eine Waage und viele andere starrten, als dichte Sternhaufen, auf die Erde herunter. Kein Mond war zu sehen. Im Frühling gewahrt man bei hellem Sonnenwetter das junge Laub, im kalten Regen die noch unbelaubten Äste. Wie ein gastlicher Abend verlaufen ist, das sieht an der Stellung der Teller und Tassen, der Becher und Speisen, wer zurückblieb, auf einen Blick.

Es gibt Segler, die Masten aufragen lassen, an denen die Wimpel herunterhängen, Dampfer, aus deren Schornsteinen Rauch steigt, Lastkähne, die ihre Ladung lange verstaut halten. Darunter sind Schiffe, in deren Bauch man verschwindet; nur Männer dürfen hinunter, aber man sieht durch Luken hindurch Frauenarme, Schleier und Pfauenfedern. Anderswo stehen Fremdlinge auf dem Verdeck und scheinen mit exzentrischer Musik das Publikum abschrecken zu wollen.

Aber wie gleichgültig wird es nicht empfangen. Unruhe bringt die Flotte übers Quartier: Seelöwen, Zwerge und Hunde sind wie in einer Arche aufbewahrt. Sogar die Eisenbahn ist ein für allemal hier eingebracht und fährt auf ihrem Kreislauf immer wieder durch einen Tunnel.

Hinten, vor einem unartikulierten Streifen Waldes, waren zwei Förster aufgemalt, ganz vorn, gleichsam Versatzstücke, zwei Sirenen mit provozierenden Brüsten in Ölfarbe. Anderswo sträuben sich Pfeifen im Haar von Frauen, die selten mit Röcken gemalt sind, meist in Trikots. Oder sie gehen aus einem Fächer hervor, den sie in der Hand entfalten. Trifft er ins Schwarze, dann fängt die Vorstellung an. Aus einer anderen Bude: Vor dem verschlossenen Tore eine Guillotine, ein Richter im schwarzen Talar und ein Geistlicher, welcher das Kreuz hält.

Er legt sich automatisch unters Fallbeil und der Kopf wird ihm abgehauen. Ein kümmerliches Interieur eröffnet sich. Den Vater sieht man mitten in der Stube, er hält ein Kind auf den Knien, mit seiner freien Hand schaukelt er die Wiege, in welcher noch eines liegt.

Daneben drängt ein anderer einen Pfaffen auf den Kessel zu, in welchem die Verdammten schmoren müssen. Wenn man getroffen hat, zieht er an einer Glocke. Es klingelt, das Tor geht auf. Wieder eine andere Konstellation: Der Bär schlägt mit einer Tatze die Pauke und hebt ein Bein.

Er trägt vor sich her eine goldene Schüssel. Darauf liegen drei Früchte. Es öffnet die erste sich, und eine winzige Person steht drin und verbeugt sich. In der zweiten drehen sich tanzend zwei ebenso winzige Puppen. Die dritte tat sich nicht auf. Darunter, vor dem Tisch, auf dem die sonstige Szenerie sich aufbaut, ein kleiner Reiter aus Holz mit der Überschrift: Trifft man ins Schwarze, so knallt es, und der Reiter mit seinem Pferd überschlägt sich, bleibt aber, wohlverstanden, auf ihm sitzen.

Der tägliche Markt, die gedrängte Stadt aus niedrigen Holzbuden zieht auf der Mole, einem breiten, schmutzigen Steinwall ohne Speichergebäude sich am Wasser der Düna entlang. Kleine Dampfer, die oft kaum mit dem Schornstein über die Kaimauer reichen, haben die schwärzliche Zwergenstadt angelaufen. Schmutzige Bretter sind der tonige Grund, auf dem, in der kalten Luft leuchtend, einige wenige Farben zergehen.

An manchen Ecken stehen hier das ganze Jahr neben Fisch-, Fleisch-, Stiefel- und Kleiderbaracken Kleinbürgerweiber mit den bunten Papierruten, die nach Westen nur um die Weihnachtszeit vordringen. Von der geliebtesten Stimme gescholten werden — so sind diese Ruten. Für wenige Santimes vielfarbige Strafbüschel. Eine dunkelrote Kirche erhebt sich dahinter, die in der frischen Novemberluft gegen die Backen der Äpfel nicht aufkommt.

Überall sieht man die Ware abgemalt auf Schildern oder auf die Hauswand gepinselt. Ein niedriges Eckhaus mit einem Laden für Korsetts und Damenhüte ist mit geputzten Damengesichtern und strengen Miedern auf ockergelbem Grunde bemalt. Im Winkel davor steht eine Laterne, die auf den Glasscheiben Ähnliches darstellt.

Das Ganze ist wie die Fassade eines Phantasiebordells. Ein anderes Haus, ebenfalls unweit des Hafens, hat Zuckersäcke und Kohlen grau und schwarz plastisch auf grauer Hauswand. Schuhe irgendwo anders regnen aus Füllhörnern nieder. Eisenwaren sind bis ins einzelne, Hämmer, Zahnräder, Zangen und kleinste Schräubchen auf ein Schild gemalt, das wie eine Vorlage aus veralteten Kindermalbüchern aussieht.

Mit solchen Bildern ist die Stadt durchsetzt: Dazwischen aber ragen viel hohe festungsartige, todtraurige Gebäude heraus, die alle Schrecken des Zarismus wachrufen. Mechanisches Kabinett auf dem Jahrmarkt zu Lucca. In einem langgestreckten symmetrisch geteilten Zelt ist die Ausstellung untergebracht.

Einige Stufen führen herauf. Das Aushängeschild vertritt ein Tisch mit einigen unbeweglichen Puppen. Im hellen Innenraume ziehen zwei Tische sich in die Tiefe.

Beide Tische sind niedrig und glasgedeckt. Auf ihnen stehen die Puppen zwanzig bis fünfundzwanzig Zentimeter hoch im Durchschnitt , während in ihrem unteren verdeckten Teile das Uhrwerk, das die Puppen treibt, vernehmbar tickt. Ein kleiner Tritt für Kinder läuft an den Kanten der Tische entlang.

An den Wänden sind Zerrspiegel. Jede macht irgendeine Bewegung: Biblische Figurinen folgen, darauf die Passion. Herodes befiehlt mit sehr mannigfachen Bewegungen des Hauptes den Kindermord. Zwei Henker stehen vor ihm: Und zwei Mütter dabei: Dieses liegt am Boden. Die Schergen schlagen den Nagel ein. Der Heiland hebt dabei ganz wenig das Kinn. Von hinten beugt ein Engel mit dem Kelch für Blut sich übers Kreuz, führt ihn vor und zieht ihn dann, als wäre er gefüllt, zurück. Vor einem Teller schaufelt er mit beiden Händen sie in den Mund, indem er abwechselnd den rechten und den linken Arm hebt.

Der rechte öffnet sich und daraus taucht mit ihrem Oberkörper eine Dame. Es öffnet sich der linke: Von neuem öffnet sich der rechte Behälter und nun steigt da der Schädel eines Bocks mit dem Gesicht der Dame zwischen den Hörnern hervor.

Danach hebt es sich links: Sodann geht alles wieder von vorne an. Darunter erscheinen, wie er abwechselnd den einen oder den anderen hebt, bald ein Brot oder ein Apfel, eine Blume oder ein Würfel.

Ein Mädchen zieht und der unabgesetzte dicke Strahl aus Glas rinnt aus der Brunnenöffnung. Darin werden zwei Puppen sichtbar. Sie wenden die Köpfe einander zu und dann wieder ab, als sähen sie mit fassungslosem Staunen sich an.

Das Ganze aus dem Jahre Dann packt er sein Besteck allmählich aus: Füllfederhalter, Bleistift und Pfeife. Die Menge der Gäste macht, amphitheatralisch angeordnet, sein klinisches Publikum. Kaffee, vorsorglich eingefüllt und ebenso genossen, setzt den Gedanken unter Chloroform. Worauf der sinnt, hat mit der Sache selbst nicht mehr zu tun, als der Traum des Narkotisierten mit dem chirurgischen Eingriff. In den behutsamen Lineamenten der Handschrift wird zugeschnitten, der Operateur verlagert im Innern Akzente, brennt die Wucherungen der Worte heraus und schiebt als silberne Rippe ein Fremdwort ein.

Endlich näht ihm mit feinen Stichen Interpunktion das Ganze zusammen und er entlohnt den Kellner, seinen Assistenten, in bar. Narren, die den Verfall der Kritik beklagen. Denn deren Stunde ist längst abgelaufen. Kritik ist eine Sache des rechten Abstands. Sie ist in einer Welt zu Hause, wo es auf Perspektiven und Prospekte ankommt und einen Standpunkt einzunehmen noch möglich war.

Die Dinge sind indessen viel zu brennend der menschlichen Gesellschaft auf den Leib gerückt. Und wie das Kino Möbel und Fassaden nicht in vollendeten Figuren einer kritischen Betrachtung vorführt, sondern allein ihre sture, sprunghafte Nähe sensationell ist, so kurbelt echte Reklame die Dinge heran und hat ein Tempo, das dem guten Film entspricht.

Die Wärme des Sujets entbindet sich ihm und stimmt ihn gefühlvoll. Nicht was die rote elektrische Laufschrift sagt — die Feuerlache, die auf dem Asphalt sie spiegelt. Das Chefzimmer starrt von Waffen. Was als Komfort den Eintretenden besticht, das ist in Wahrheit ein cachiertes Arsenal. Ein Telephon auf dem Schreibtisch schlägt alle Augenblicke an. Es fällt einem an der wichtigsten Stelle ins Wort und gibt dem Gegenüber Zeit, sich seine Antwort zurechtzulegen.

Indessen zeigen Brocken vom Gespräch, wieviele Angelegenheiten hier verhandelt werden, die wichtiger sind als die, die an der Reihe ist. Man sagt sich das und langsam fängt man an, von seinem eigenen Standpunkte abzurutschen. Gerufen oder ungerufen tritt die Sekretärin ein. Sie ist sehr hübsch. Und ist ihr Brotherr gegen ihre Reize, sei's gefeit, sei's als Bewunderer längst mit ihr im Reinen, so wird der Neuling mehr als einmal nach ihr sehen, und sie versteht es, ihrem Chef zu Dank zu handeln.

Er beginnt zu ermüden. Der andere aber, der das Licht im Rücken hat, liest aus den Zügen des blendend bestrahlten Gesichts mit Befriedigung das ab. Eine Liquidation folgt früher oder später auch dieser Behandlung. Im Traum nahm ich mir mit einem Gewehr das Leben.

Dann erst wachte ich auf. Dies ist der stärkste Einwand gegen die Lebeweise des Hagestolz: Einsam zu speisen macht leicht hart und roh.

Einsiedler haben, sei's nur darum, sich frugal beköstigt. Denn dem Essen wird nur in der Gemeinschaft sein Recht; es will geteilt und ausgeteilt sein, wenn es anschlagen soll. Aufs Teilen und aufs Geben kommt alles an, nichts auf soziables Gespräch in der Runde. Bewirtung nivelliert und verbindet. Wo aber jeder einzelne leer ausgeht, da kommen die Rivalitäten mit ihrem Streit.

Oder hat man sie deportiert und müssen sie in diesem Kasten Jahr und Tag auf einem gläsernen Salas y Gomez schmachten? Briefe, die lange uneröffnet blieben, bekommen etwas Brutales; sie sind Enterbte, die hämisch im stillen Rache für lange Leidenstage schmieden.

Viele von ihnen stellen später in den Fenstern der Briefmarkenhändler die über und über von Stempeln gebrandmarkten Ganzsachen dar. Sie halten sich an den okkulten Teil der Marke; an den Stempel. Denn der Stempel ist deren Nachtseite. Es gibt feierliche, die um das Haupt der Queen Victoria einen Heiligenschein und prophetische, die eine Märtyrerkrone um Humbert legen. Briefmarken starren von Zifferchen, winzigen Buchstaben, Blättchen und Äuglein.

Sie sind graphische Zellengewebe. Das alles wimmelt durcheinander und lebt, wie niedere Tiere, selbst zerstückelt fort. Darum macht man aus Briefmarkenteilchen, die man zusammenklebt, so wirksame Bilder. Ihre Porträts und obszönen Gruppen stecken voller Gebeine und Würmerhaufen. Bricht in der Farbenfolge der langen Sätze sich vielleicht das Licht einer fremden Sonne?

Wurden in den Postministerien des Kirchenstaats oder von Ecuador Strahlen aufgefangen, die wir andern nicht kennen?

Und warum zeigt man uns nicht die Marken der besseren Planeten? Briefmarkenalben sind magische Nachschlagewerke, die Zahlen der Monarchen und Paläste, der Tiere und Allegorien und Staaten sind in ihnen niedergelegt.

Der Postverkehr beruht auf deren Harmonie wie auf den Harmonien der himmlischen Zahlen der Verkehr der Planeten beruht.

Sie sehen aus wie jene ersten Photos, aus denen in den schwarz lackierten Rahmen Verwandte, die wir niemals kannten, auf uns herabsehen: Man würde sich nicht wundern, wenn eines Abends das Licht einer Kerze dahinter durchscheint. Im dichten Spinnennetz tragen sie nur eine Nummer. Das sind vielleicht die wahren Schicksalslose.

Schriftzüge auf den türkischen Piastermarken sind wie die schräg gestellte, allzuflotte, allzublitzende Busennadel auf der Krawatte eines gerissenen, halb nur europäisierten Kaufmanns aus Konstantinopel. Nachportomarken sind die Spirits unter den Briefmarken. Sie ändern sich nicht. Der Wechsel der Monarchen und Regierungsformen geht spurlos wie an Geistern an ihnen vorüber. Das Kind sieht nach dem fernen Liberia durch ein verkehrt gehaltenes Opernglas: Mit Vasco da Gama segelt es um ein Dreieck, das gleichschenklig ist wie die Hoffnung und dessen Farben mit dem Wetter sich ändern.

Reiseprospekt vom Kap der Guten Hoffnung. Wenn es den Schwan auf australischen Marken sieht, dann ist das, auch auf den blauen, grünen und braunen Werten, der schwarze Schwan, der nur in Australien vorkommt und hier auf den Gewässern eines Teiches als auf dem stillsten Ozean dahinzieht.

Erdkunde und Geschichte der Liliputaner, die ganze Wissenschaft des kleinen Volks mit allen ihren Zahlen und Namen wird ihm im Schlafe eingegeben.

Es nimmt an ihren Geschäften teil, wohnt ihren purpurnen Volksversammlungen bei, sieht dem Stapellauf ihrer Schiffchen zu und feiert mit ihren gekrönten Häuptern, die hinter Hecken thronen, Jubiläen.

Es gibt bekanntlich eine Briefmarkensprache, die sich zur Blumensprache verhält wie das Morsealphabet zu dem geschriebenen. Wie lange aber wird der Blumenflor zwischen den Telegraphenstangen noch leben? Stephan, ein Deutscher, und nicht zufällig ein Zeitgenosse Jean Pauls, hat in der sommerlichen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts diese Saat gepflanzt. Sie wird das zwanzigste nicht überleben. Mir gegenüber auf einer zweiten nahmen zwei Mädchen Platz. Sie schienen sich vertraut besprechen zu wollen und begannen zu flüstern.

Nun konnte ich bei diesem unmotivierten Flüstern in einer mir unzugänglichen Sprache mich des Gefühls nicht erwehren, es lege sich um die schmerzende Stelle ein kühler Verband. Es gibt nichts Ärmeres als eine Wahrheit, ausgedrückt wie sie gedacht ward. In solchem Fall ist ihre Niederschrift noch nicht einmal eine schlechte Photographie. Auch weigert sich die Wahrheit wie ein Kind, wie eine Frau, die uns nicht liebt vorm Objektiv der Schrift, wenn wir uns unters schwarze Tuch gekauert haben, still und recht freundlich zu blicken.

Jäh, wie mit einem Schlage will sie aus der Selbstversunkenheit gescheucht und sei es von Krawall, sei's von Musik, sei es von Hilferufen aufgeschreckt sein. Wer wollte die Alarmsignale zählen, mit denen das Innere des wahren Schriftstellers ausgestattet ist? Sehr richtig schlägt Lichtenberg vor, vom Verkleinern der Zeit zu reden statt vom Verkürzen und derselbe bemerkt: Österreich kann sich die Kronenrechnung nicht abgewöhnen.

Geld gehört mit Regen zusammen. Das Wetter selbst ist ein Index vom Zustande dieser Welt. Seligkeit ist wolkenlos, kennt kein Wetter. Es kommt auch ein wolkenloses Reich der vollkommenen Güter, auf die kein Geld fällt. Es wäre eine beschreibende Analysis der Banknoten zu liefern. Ein Buch, dessen grenzenlose Kraft der Satire ihresgleichen nur in der Kraft seiner Sachlichkeit hätte. Denn nirgends mehr als in diesen Dokumenten gebärdet der Kapitalismus sich naiv in seinem heiligen Ernst.

Was hier an unschuldigen Kleinen um Ziffern spielt, als Göttinnen Gesetzestafeln hält und an gereiften Helden vor Münzeinheiten sein Schwert in die Scheide steckt, das ist eine Welt für sich: Meine Erwartungen sind aufs schwerste enttäuscht worden.

Ihre Sachen haben gar keine Wirkung beim Publikum; sie ziehen nicht im geringsten. Und ich habe an Ausstattung nicht gespart. Ich habe mich für Reklamen verausgabt. Sie werden es mir aber nicht verdenken können, wenn nun auch mein kaufmännisches Gewissen sich regt. Wenn irgendeiner, tue ich für die Autoren, was ich kann.

Hinterfragen, lernen und umsetzen

In ihren Augen erblickte ich so etwas wie innere Befriedigung.

Closed On:

So ist auch die Kraft eines Textes eine andere, ob einer ihn liest oder abschreibt.

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